Ach Du meine (Wasser-)Güte: Radtour und Dialog entlang des Heidekampgrabens (Langer Tag der Stadtnatur), 11. Juni, 14-17 Uhr

Am Heidekampgraben, (c) Andrea Gerbode

Die Radtour führt uns entlang des rund 3,5 km langen Heidekampgrabens von der Spreemündung bis nach Späthsfelde. Während der Tour machen wir uns auch ein Bild vom Karpfenteich, durch den der Graben fließt. An ausgewählten Orten werden wir das Wasser und die Tierwelt untersuchen. Gemeinsam ermitteln wir ökologische Besonderheiten und Herausforderungen, stellen hierzu Anforderungen und Maßnahmen vor und besprechen mit den Teilnehmenden Lösungen für den Gewässerschutz.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Dialogreihe des verbändeübergreifenden „Aktionsnetzes Kleingewässer Berlin“ am Langen Tag der StadtNatur statt. Sie wird von der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz e.V. in Kooperation mit dem BUND Berlin e.V. AK Dreiländereck durchgeführt.

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Das Aktionsnetz Kleingewässer wird gefördert durch die Deutsche Postcode Lotterie.

Position der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz (BLN) e.V. zu einer Entwicklung des Dreiecks Späthsfelde

Einleitung

Für die jetzige Legislaturperiode 2021-2026 soll, im Rahmen der Aktualisierung des StEP Wohnen, laut Koalitionsvertrag im Zusammenhang mit weiteren Wohnungsbaupotentialen eine Bebauung des Dreiecks Späthsfelde „ausgelotet und mit konkreten Zahlen untersetzt“ werden.

Wir fordern eine Sicherung und Qualifizierung der Stadtnatur in Späthsfelde bestehend aus Kleingärten, Grünzügen und gartenbaulichen Flächen mit ihrer enormen sozialen, ökologischen, klimatischen Bedeutung für Berlin und die Berliner:innen.

Dabei beziehen wir uns auf unsere allgemeine Position zur baulichen Inanspruchnahme von Grün- und Freiflächen, welche wir in 11/21 in unserem Forderungskatalog zum Koalitionsvertrag bekräftigt haben:

„Für Infrastrukturprojekte wie Schulen, Kindertagesstätten, Straßen und für Wohnungsbauvorhaben dürfen keine Grünanlagen, Friedhöfe und Kleingärten in Anspruch genommen werden.“

Weiter heißt es darin „In der Stadtplanung muss in sehr viel stärkerem Umfang als bisher die Vermeidungs- und Minimierungsgebote des Baugesetzbuches und des Bundesnaturschutzgesetzes Eingang finden. Bei jeder Planung muss geprüft werden, ob das Bauvorhaben überhaupt notwendig ist, ob es an anderer Stelle naturverträglicher realisiert werden könnte oder ob es, wenn nötig, in minimierter Weise realisiert werden kann. Damit wären auch die häufig kaum noch in Berlin zu realisierenden Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen sowie Artenschutzmaßnahmen (…) entbehrlich.“ Nachverdichtung sollte vorrangig im Bestand und auf bereits versiegelten Flächen erfolgen.

Zudem beziehen wir uns auf unsere Stellungnahme zum Entwurf des Kleingartenentwicklungsplans 2030 (KEP 2030). „Kleingärten dürfen den aktuellen Flächenkonkurrenzen in Berlin nicht zum Opfer fallen, denn sie:

  • sind ein Teil des Stadtgrüns, welches ein Markenzeichen Berlins bleiben muss, statt immer weiter abgebaut zu werden.
  • haben einen unschätzbaren Wert für die Gesundheitsvorsorge und bieten (…) erholsame Rückzugsmöglichkeiten an der frischen Luft.
  • sind wichtige Flächen für den Artenschutz und den Biotopverbund und sollten nicht nur unter dem Aspekt „Freiraumnutzung“ betrachtet werden.
  • gehen nach einer Bebauung als Grünflächen mit ihren Ökosystemleistungen verloren, welche wir in Anbetracht des Klimawandels dringender denn je benötigen.
  • sind ein 150 Jahre altes Stück Stadtkultur mit alten Obst- und Gemüsesorten, die von einem Flächenverlust betroffen sind.
  • sind seit den 1950er Jahren in der Fläche bereits um 50 Prozent geschrumpft.

Ergänzend dazu fordern wir, vorrangig die bereits ausgewiesenen Stadtquartiere und Gewerbestandorte vollends zu entwickeln. Insbesondere in Anbetracht an deren Erfordernissen an Kompensationsflächen aufgrund von Eingriffen in Natur und Landschaft einhergehend mit Artenschutzmaßnahmen können weitere Eingriffe erst nach erfolgreicher Umsetzung der Maßnahmen eruiert werden.

Dreieck Späthsfelde

Bei dem Dreieck Späthsfelde handelt es sich um ein rund 90 Hektar großes Areal zwischen dem Britzer Zweigkanal, dem Teltowkanal und der Königsheide. Traditionell ist es von der kulturellen Nutzung des Gartenbaus und Landwirtschaft geprägt. Durch die Lage im Urstromtal und dem Niederungsbereich des Heidekampgrabens hatte es einen hohen Grundwasserpegel, welcher in den 1860er Jahren ideal für die Ansiedelung der Baumschule Späth war. Durch den Bau der Kanäle und der Inbetriebnahme des Wasserwerks Johannisthal sank der Grundwasserstand. Auf den Flächen der Baumschule entstanden teilweise Siedlungen und Kleingartenanlagen. Im KEP 2030 heißt es dazu: „Kleingartenanlagen, die größere zusammenhängende Komplexe bilden beziehungsweise in Verbindung zu übergeordneten Grün- und Landschaftsräumen liegen, erfüllen vielfältige positive Funktionen für die Erholung, für den Biotop- und Artenschutz, für den Naturhaushalt und für das Landschaftsbild.“ Das zusammenhängende Areal Baumschulenweg und Königsheide in Treptow-Köpenick wird dabei explizit benannt. Es handelt sich um weit mehr als 600 Kleingartenparzellen. Das gesamt Areal befindet sich im Wasserschutzgebiet. Es hat sich als beliebtes Erholungsgebiet für Anwohner:innen und Berliner:innen etabliert. Die Bedeutung des Dreiecks Späthsfelde ist einerseits wegen des Nutzungsdrucks auf die umliegenden Flächen, wie Wald, Friedhöfe und Grünzüge, andererseits durch Bebauung im Umfeld nebst verkehrlicher Infrastruktur enorm gestiegen.

Im Landschaftsprogramm (LaPro) ist laut dem Programmplan „Biotop- und Artenschutz“ eine „Entwicklung / Sicherung der Biotopvernetzungsfunktion auf bestehenden und künftigen Siedlungsflächen“ vorgesehen. Im Gebiet sind mit der Zauneidechse und der Knoblauchkröte mindestens zwei streng geschützte Arten und zugleich Zielarten des Biotopverbunds etabliert. Eingebettet in lineare Verbundstrukturen der Kanäle und Ufer sowie großflächig durch die Gärten, Friedhöfe und Wald stellt das Areal mit seinen strukturreichen Lebensräumen einen elementaren Baustein im Verbund dar. Verstärkt durch den Klimawandel und den Nutzungsdruck können die Königsheide und die Kompensationsflächen im Gebiet ihrer Biotopfunktion kaum noch gerecht werden. Durch eine weitere Bebauung würde der Grundwasserpegel weiter sinken, die Schäden des Kiefern-Eichenwaldes in der Königsheide sind bereits heute markant, der Heidekampgraben fällt teilweise trocken.

Auch der Programmplan „Naturhaushalt/Umweltschutz“ des LaPro sieht einen Erhalt der derzeitigen Nutzungen Kleingarten, Landwirtschaft, Gartenbau vor und betont die besondere Notwendigkeit des Bodenschutzes mit dem Hinweis „Sonstiger Boden mit besonderer Leistungsfähigkeit“.

Das Landschaftsbild ist im LaPro als erhaltenswert gekennzeichnet, der gleichnamige Programmpunkt fordert „Erhalt und Entwicklung von städtischen und siedlungsgeprägten Strukturen“ und „Erhalt und Entwicklung von kultur- und naturlandschaftlich geprägten Strukturen“ und identifiziert im Gebiet „Freiflächen im Bereich von Rinnen, Senken und Feuchtgebieten“ und den „Gestalttyp Kleingarten und offene Landwirtschaft, Ackerbrache“.

Daher fordern wir den Erhalt der Kleingärten, die Qualifizierung der Grün- und Freiflächen sowie die Weiterentwicklung als Standort für Umweltbildung mit den dortigen Akteuren zu den Themenfeldern Gärtnern, Gartenbau, Landwirtschaft, Naturschutz und der Erholungs- und Freizeitnutzung. Die Biotope und Verbundstrukturen sollen durch die Anlage von Hecken, Wiesen, Säumen und Streuobstwiesen qualifiziert werden. Dabei sollen die Landwirtschaftsflächen als Kompensationsflächen aufgewertet werden. Das Vorkaufsrecht gemäß VO 18-398 vom 17.08.2021 soll dafür konsequent geltend gemacht werden.

Unsere Forderungen untermauern wir mit denen aus unserer Stellungnahme zum KEP 2030. Darin forderten wir, dass:

  • „Kleingartenflächen auch für wichtige Infrastrukturprojekte wie Schulen nicht leichtfertig und ohne genaue Prüfung von bereits versiegelten Alternativflächen geopfert werden. Bei Inanspruchnahme sollte das Maß der baulichen Nutzung sowie die Ausrichtung der Baukörper so angepasst werden, dass Flächen und Baumbestand erhalten und integriert werden.
  • Kein Abschwächen der Bedeutung von Kleingartenanlagen für Menschen vor allem in den Innenstadtbereichen im KEP.
  • Eine angemessene Würdigung der Bedeutung von Kleingärten für die Artenvielfalt Berlins und den Biotopverbund im KEP, zumal diese im Landschaftsprogramm einschließlich Artenschutzprogramm erwähnt wird.
  • Genug Fläche zum Gärtnern für alle interessierten Berliner (auch für die zukünftigen), statt den Versuch, einen hohen Bedarf durch Parzellenteilungen zu decken.“

Ein ökologisches Modell für den Preußenpark: BLN entwirft Gegenbild zu Umbauplänen des Bezirks

Großer grüner Park – Wilmersdorfer Grünzug

Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf plant die großflächige Veränderung des historischen Preußenparks (Ortsteil Wilmersdorf). Diese geht mit erheblicher Versiegelung, Verkleinerung und Entfernung der Vegetation einher. Bei den Plänen hatte das Bezirksamt die Rechnung offenbar ohne die Naturschutzverbände gemacht, die die Einhaltung geltenden Naturschutzrechts und ihre Beteiligung einfordern. Premiere in Berlin – die nach Umweltinformationsgesetz zu gewährende Akteneinsicht musste der Dachverband der Berliner Naturschutzverbände, die Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz e.V. (BLN), erst im Gerichtswege „erstreiten“. So erlangte sie unter anderem Einsicht in den bis dato öffentlich nicht zugänglichen „Masterplan“ für den Parkumbau, der von einem Planungsbüro im Auftrag des Bezirksamts Ende Dezember 2020 erstellt worden war. Auf Basis der Akteneinsicht hat die BLN errechnet, dass mit der Umsetzung der Pläne 11.255 qm und damit etwa 20 % des 55.000 qm großen Parks versiegelt werden würden, davon 4.130 qm und damit 7 % teilweise und 7.125 qm – 13 % vollständig versiegelt.

Der Preußenpark stellt in der hochverdichteten Innenstadt im Nordwesten Wilmersdorfs und angrenzenden Charlottenburg die einzige größere unversiegelte Fläche. Die Umsetzung der Pläne wäre außerdem mit erheblichen Verlusten an Vegetation und an Lebensraum für Tiere verbunden. Der mit den geplanten Eingriffen verbundene CO2-Ausstoß sei auch sicher nicht mit den Klimazielen des Bezirks vereinbar. Nicht nachvollziehbar in Zeiten von Wassermangel, Klimakatastrophe und Artensterben, findet Manfred Schubert, Geschäftsführer der BLN. Zudem völlig unnötig.

Denn es geht auch anders. Die BLN erarbeitet nun ein Konzept, wie stattdessen eine grüne Oase voller ökologischer Synergieeffekte in der Innenstadt geschaffen werden könnte. Eine Visualisierung sowie eine Vorstellung vor Ort im Rahmen einer Begehung sind in Planung.

Erste Kernpunkte sind die Folgenden:

  1. Parkvergrößerung
    a) Der Park wird um die angrenzende sechsspurige Brandenburgische Straße erweitert, die vom Fehrbelliner Platz bis zur Kreuzung mit der Konstanzer Straße weitest möglich entsiegelt, begrünt und in den Park einbezogen wird.
    b) Die an den Park angrenzenden Bürgersteigbereiche der Pommerschen und Württembergischen Straße werden in den Park einbezogen.
    c) Der südlich an den Preußenpark angrenzende Fehrbelliner Platz wird in die Planung integriert. Der seit August 2021 – unter Verstoß gegen das Berliner Grünanlagengesetz – an drei Wochentagen im Park provisorisch gestattete „Thai-Streetfoodmarkt“ wird auf den Platz vor dem Alten Rathaus Wilmersdorf verlegt. Auf diesem hat sich an drei anderen Wochentagen bereits ein interkultureller Streetfoodmarkt etabliert (vgl. https://www.facebook.com/StreetFoodMarkt/Berlin).
  2. Grüne Achse zum Volkspark Wilmersdorf – der „Wilmersdorfer Grünzug“: Über die Barstraße wird eine Biotopverbindung vom Preußenpark zum Fennseepark, dem westlichsten Ausläufer des Volksparks Wilmersdorf, geschaffen. Mit Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung und Einführung einer Fahrradstraße könnte auf dem sehr breiten Bürgersteig, im ersten Abschnitt bis zur Berliner Straße unter Einschluss des bisherigen Radwegs, ein entsiegelter, mit Sträuchern eingefasster, drei bis vier Meter breiter Grünstreifen mit schmalem Spazierweg geschaffen werden.
  3. Erhöhung der Vegetationsdichte im Park: Im Preußenpark wird die Vegetationsfläche durch Verschmälerung der Wegefläche möglichst vergrößert und eine dichtere, üppigere Vegetation angelegt (Wiederaufforstung mit Bäumen und Sträuchern). Ziel ist mehr Schatten, mehr Feuchtigkeit, ein kühlender Park, der sich auch auf die Umgebung auswirkt und zugleich die Artenvielfalt in der Stadt stärkt und erhält. Die wäldchenartige Struktur des Parks und die Abschirmung seiner Ränder durch Vegetation wird wiederhergestellt; auch auf dem Rasenrondell werden weitere schattenspendende große Bäume gepflanzt und einige größere Sträucher. Es werden heimische Arten gepflanzt, die Lebensraum und Nahrung für die Tierwelt bieten.
  4. Umlenkung des Dachregenwassers in den Park: Das Dachregenwasser der westlich und östlich an den Park angrenzenden Behördengebäuden (Deutsche Rentenversicherung Bund, Landesverwaltungsamt, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung) wird in den Park eingeleitet, um den Park zu bewässern und der fortschreitenden Grundwasserabsenkung aufgrund der hohen Flächenversiegelung in Berlin entgegenzuwirken. Hierzu leistet die Einbeziehung und Entsiegelung der Brandenburgischen Straße einen wichtigen Beitrag.
  5. Entwicklung als „naturnahe Grünanlage“: Der Park wird in Anlehnung an seinen wäldchenartigen Charakter wieder als naturnahe, vollständig unversiegelte Grünanlage entwickelt und ohne dezimierende Strauch- und Baumrückschnitte gepflegt.
  6. Einbeziehung des Parkhausdachs der Deutschen Rentenversicherung Bund: Das Dach des an den Park angrenzenden Parkhauses der Deutschen Rentenversicherung Bund wäre wie geschaffen, um dort Sport- und Aktivitätsflächen zu schaffen, für welche der Bezirk nach seinen Umbauplänen den Park weiter dezimieren will.
  7. Schutz der Grünfläche durch amtliche Parkwächter sowie umlegbare Poller oder Schranken gegen einfahrende Autos.

Ausführliche Informationen entnehmen Sie bitte dem Konzept.

Für Rückfragen stehe ich Ihnen gern zur Verfügung:

Manfred Schubert, Geschäftsführer der BLN

Downloads:
Pressemitteilung (PDF, 957,5 kB)
Konzept „Ein ökologisches Modell für den Preußenpark“ (PDF, 370,3 kB)

8. April 2022: Dialogveranstaltung Gewässeruntersuchung im Septimer Becken

 

Treffpunkt: Septimerstraße 44B, 13407 Berlin | Dauer: 12–17 Uhr

Wie geht es eigentlich dem Schwarzen Graben?
Welche Tiere leben dort und was verrät uns das über die Pestizidbelastung?

In drei Teams ermitteln wir mit wissenschaftlichen Methoden den ökologischen Zustand des
Schwarzen Grabens und das Vorkommen des darin lebenden Makrozoobenthos (Organismen
im Gewässerboden) als Indikator für die Pestizidbelastung des Gewässers.

  • Das Strukturgüte-Team beurteilt anhand zahlreicher Kriterien die Gewässerstruktur.
  • Das Chemie-Team misst die chemisch-physikalische Wasserqualität.
  • Das Makrozoobenthos-Team bestimmt die wirbellosen Tiere des Gewässergrundes.

Anhand der Ergebnisse kommen wir am Ende zu einer Gesamtbewertung des Gewässers.

Download der Einladung (PDF, 413 kb)


Das Aktionsnetz Kleingewässer wird gefördert durch die Deutsche Postcode Lotterie.
Die Dialogveranstaltung findet in Kooperation mit dem Projekt FLOW statt.