Ehemaliges RIAS-Gelände in Neukölln: weiterer Hotspot der Artenvielfalt soll bebaut werden

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Strategisches Naturschutzprogramm wird im Zweifelsfall ignoriert

Auf dem ehemaligen RIAS-Gelände am Schnittpunkt von Tempelhofer Weg und Britzer Damm in Neukölln soll zukünftig Wohnungsneubau sowie gewerbliche Nutzung unter anderem durch die Erweiterung des BSR-Standorts in der Gradestraße erfolgen. Die Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz (BLN) reichte hierzu am 4. Juni ihre Stellungnahme im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung zur Änderung des Flächennutzungsplans ein und spricht sich entschieden gegen die geplante Bebauung der besonders wertvollen Fläche aus.

Das ehemalige RIAS-Gelände ist geprägt durch hochwertige Böden und Biotope wie beispielsweise mehrere Pfuhle und Waldflächen sowie dem Vorkommen seltener und sogar einer in Berlin als ausgestorben geltenden Wildbienenart. Dass das Plangebiet als besonders wertvoll für den Natur- und Artenschutz angesehen werden muss, wurde schon im Landschaftsprogramm von 2016 vom Senat so dargestellt: das Gebiet soll demnach eigentlich als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen werden.

Klimatisch hat das Gelände einen hohen Kühlungseffekt für die Nachbarschaft. Zudem wäre es ein wichtiges Gebiet für die Naherholung. Im Zusammenspiel mit den umliegenden Grün- und Freiflächen kommt ihm eine hohe Biotop-Vernetzungsfunktion zu. All diese positiven Aspekte werden durch die vorliegenden Planungen gefährdet und in den Antragsunterlagen selbst wird deutlich gemacht, dass für die Fläche „von einem vollständigen Verlust ihres gegenwärtigen Charakters sowie ihrer Artenzusammensetzung auszugehen“ ist.

Dazu erklärt Julia Hoffmann von der BLN:
„Hier zeigt sich wieder einmal, dass die Vorgaben durch das Landschaftsprogramm, das eigentlich dafür da ist, in Berlin wichtige und wertvolle Flächen zu sichern, einfach weggewogen werden. Am Ende spielen aufwendig und planvoll erarbeitete Naturschutzprogramme einfach keine Rolle, wenn politisch eine Bebauung gewünscht ist.

Ausgeglichen werden soll die Planung zu großen Teilen im Land Brandenburg, was deutlich macht, dass die Bebauung der letzten wertvollen Freiflächen in Berlin nicht mehr kompensiert werden kann.

Dazu erklärt Andrea Gerbode, Vorstandsmitglied im BUND Berlin:„Dass die Eingriffe für Baugebiete in Berlin im Land Brandenburg kompensiert werden sollen, lehnen wir ab. Statt die wenigen artenreichen und klimatisch entlastenden Flächen zu erhalten, werden durch derartige Planungen das Artensterben und die Hitzebelastung der Bevölkerung weiter befeuert.

Kontakt:
Julia Hoffmann, Naturschutzreferentin BLN, bln@bln-berlin.de