Positionen der Naturschutzverbände zur Entwicklung der Berliner Friedhöfe

Die Berliner Friedhöfe, insbesondere auch die innerhalb dichtbebauter Innenstadtbezirke, zählen zu den bedeutendsten Grünanlagen Berlins. Mehrere Untersuchungen, die in den vergangenen Jahren auf Friedhofsflächen durchgeführt wurden und dabei ganz unterschiedliche Artengruppen umfassten, belegen eindrucksvoll den ökologischen Wert von Friedhofsflächen. Neben der hohen Bedeutung für die Biodiversität Berlins haben Friedhöfe als innerstädtische Grünflächen auch eine unverzichtbare Funktion als Strukturen des Biotopverbundes.

Der hohe ökologische Wert resultiert vor allem aus dem Vorhandensein dreier entscheidender Faktoren:

1) Dem hohen Strukturreichtum und der kleinteiligen Diversität unterschiedlicher Biotope.
2) Der Störungsarmut.
3) Einer bisweilen extensiven Pflege von Friedhofsbereichen.

Angesichts der anhaltenden Diskussion um die Nach- und Umnutzung von Friedhofsflächen möchten wir uns dafür aussprechen, bei jeglichem Nutzungskonzept diese drei Faktoren zu erhalten oder zu verbessern.

Deshalb sollten die bisher geltenden Regelungen bzgl. Hunden, Fahrrädern, Ballspielen oder Grillen beibehalten werden.

Sämtliche Bau- und Umgestaltungsmaßnahmen sind in den ökologisch wenig sensiblen Jahreszeiten durchzuführen (ab Herbst) und bei Neupflanzungen sind heimische und standorttypische Pflanzen zu bevorzugen.

Größere Baumaßnahmen wie das Errichten von Gebäuden (auch temporärer Natur) oder das Versiegeln von Bodenfläche lehnen wir ab.

Veranstaltungen, die nicht dem Friedhofszweck und dem Friedhofsort entsprechen, sollten weiterhin nicht zugelassen werden.

Wir möchten keinen Gegensatz von Natur- und Denkmalschutz konstruieren. Wir begrüßen die Sicherung und Sanierung von Baudenkmälern und kulturhistorisch wertvollen Grabstätten. Eventuell vorhandene Nistplätze oder Fledermausquartiere sind fachgerecht zu erfassen und es ist nach geltender Rechtslage für Ersatz zu sorgen.

Wir begrüßen ausdrücklich Pläne, die eine Förderung von Wildblumen, Insekten oder anderen Arten und Artengruppen beinhalten.

Angesichts des Eintrags der deutschen Friedhofskultur in die Liste des bundesweiten immateriellen Kulturerbes durch die deutsche UNESCO-Kommission, ist auch Berlin aufgefordert seine Friedhofsflächen dauerhaft als Grünanlagen zu sichern. Denn gerade in den dichtbebauten Bezirken der inneren Stadt sind diese aus klimatischen und ökologischen Gründen unverzichtbar. Berlin darf seine Wohnraumfrage nicht auf Kosten der letzten Grünstrukturen in innerstädtischen Wohngebieten lösen. Noch immer sind viele Flächen inmitten dichtbebauter Stadtteile nur durch einstöckige Einzelhandelsstandorte geprägt, häufig umrahmt von großen, versiegelten Parkplätzen, welche viel zu
wenig genutzte Freiflächen darstellen. Hier ist eine sozial und ökologisch angemessenere Nutzung angebracht und es ist Aufgabe der Politik, diese notfalls auch gegen bestimmte Marktinteressen durchzusetzen. Friedhofsflächen sind zu wertvoll um Bauland zu werden, zumal sie neben ihrer ursprünglichen Bestimmung schon seit vielen Jahren auch weitere wichtige Aufgaben für die Stadt wahrnehmen, wie den klimatischen Ausgleich, die Versickerung von Niederschlägen und mit Naturerfahrung verbundene Erholungsnutzung. Diese ausgleichenden Funktionen werden insbesondere vor dem Hintergrund der Klimaerwärmung gerade in Zukunft dringender denn je benötigt.

Im Juni 2021

Für die AG Friedhöfe

Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz

Manfred Schubert
Geschäftsführer

Das Positionspapier als PDF zum Download.

Neue Webseite „Mein Kiez. Mein Friedhof“

 

Die neue Webseite „Mein Kiez. Mein Friedhof“ der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz ist ab jetzt unter www.meinkiez-meinfriedhof.de zu finden.

Ihr Ziel ist es die Friedhofskultur in Berlin neu zu beleben und Friedhöfe wieder stärker zu integralen Bestandteilen des Kiezlebens zu machen. Denn viele Friedhöfe werden im Alltag oft übersehen und warten nur darauf, von den Berliner:innen neu entdeckt und belebt zu werden.

Die Pressemitteilung dazu, von der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz.

Nachruf für Gudrun Rademacher

 

Am 1. April 2021 verstarb Frau Gudrun Rademacher im Alter von 76 Jahren. Mit ihr ist eine Institution
im Berliner Naturschutz von uns gegangen. Diese Nachricht hat uns alle schwer erschüttert.

Frau Rademacher wurde am 14. September 1944 in Zielitz/Altmark nördlich von Magdeburg
geboren. Sie absolvierte das Studium der Museologie und ihre erste berufliche Tätigkeit nahm sie auf
der Wartburg in Thüringen in der Öffentlichkeitsarbeit auf (1966). Von 1969 bis 1982 wirkte sie am
Museum für Geschichte im Zeughaus in Berlin. Es folgten Jahre, in denen sie sich ganz der Familie
widmete. Ihr Lebensmittelpunkt in Berlin war immer Altglienicke. Hier begann auch ihr
ehrenamtliches Engagement für den Naturschutz. Noch zu DDR-Zeiten kämpfte sie mit
Gleichgesinnten gegen die Rodung eines Wäldchens in ihrer Umgebung, das heute noch existiert.

Frau Rademacher hatte im Berliner Naturschutz viele Funktionen inne. Die Beschäftigung mit dem
Wald und die Waldpädagogik für Kinder waren die Themen, die sie ihr Leben lang faszinierten.

So verwundert es nicht, dass die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) zu Ihrer Heimat im
Naturschutz wurde, in deren Vorstand sie viele Jahre tätig war. Ihre Liebe zur Waldpädagogik und
Umweltbildung konnte sie von 1992 an als Leiterin der Waldschule im Grunewald leben. In dieser
Eigenschaft lernte ich sie auch privat kennen. 1998 richtete sie einen der ersten Kindergeburtstage in
der Waldschule für unsere Tochter aus.

Frau Rademacher war 25 Jahre ehrenamtlich im Vorstand der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft
Naturschutz (BLN) als Beisitzerin, Stellvertretende Vorsitzende und von 2016 bis 2018 als Vorsitzende
tätig. In dieser Zeit bereicherte sie mit ihren Beiträgen und Initiativen stets die Diskussionen in unserem
Vorstand und legte den Finger in die offenen Wunden des Berliner Naturschutzes.

Auch im Aktionsbündnis Teufelsberg und im Vorstand des Naturschutzzentrums Ökowerk Berlin
wirkte sie viele Jahre mit.

2002 wurde Frau Rademacher für ihre langjährigen Verdienste im Naturschutz mit dem
Naturschutzpreis der Stiftung Naturschutz Berlin ausgezeichnet. In der Urkunde heißt es: „Gudrun
Rademacher hat sich um den Naturschutz in Berlin verdient gemacht.“

Auch privat war sie dem Naturschutz eng verbunden, ihr Garten in Altglienicke glich einem Urwald,
Pflanzen durften wachsen, Tiere sich entfalten.

Im Herbst 2018 starb ihr Ehemann Helmut, im Folgejahr brach ihre schwere Krankheit aus.

An der 40-Jahr-Feier der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz im Dezember 2019 konnte
sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr teilnehmen.

Sie schickte uns allen ein Grußwort: „Ich hatte mir gewünscht, als Überraschungsgast zur
Jubiläumsfeier der BLN zu kommen, um mit Ihnen allen gemeinsam zu feiern. Aber leider erlaubt es
mir mein derzeitiger Gesundheitszustand noch nicht. Ich gratuliere auf diesem Wege herzlich zu 40
Jahren erfolgreicher Arbeit, wünsche weiter viel Erfolg in den nächsten Jahren bis zum 50. Jubiläum.
Es ist für mich ein großes Herzensbedürfnis mich bei allen denen zu bedanken, die ich in den 25 Jahren
meiner Zugehörigkeit zur BLN kennenlernen durfte, die ich für Ihren Mut und Engagement für Natur
und Umwelt bewundere und sehr achte. Ihnen allen eine wunderbare Feier.“

2020 bezog sie nach ihrem Auszug aus dem Haus in Altglienicke und einem Zwischenaufenthalt in
einem von ihr ungeliebten Seniorenheim noch einmal eine kleine Wohnung in ihrer Heimat
Altglienicke.

Ihre letzte Statusanzeige bei WhatsApp „Im Wald beim Wildschwein“ zeigt, dass sie bis zu ihrem
Tode mit dem Wald verbunden blieb.

Am 1. April 2021 verstarb sie an ihrer schweren Krankheit. Ihre letzte Ruhe fand Gudrun Rademacher
Anfang Mai auf dem Evangelischen Friedhof Altglienicke.

Wir werden sie in ihrer Bescheidenheit und in ihrem Engagement vermissen und in ehrendem
Andenken bewahren.

 

Manfred Schubert

Geschäftsführer der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz
Mitglied im Stiftungsrat der Stiftung Naturschutz Berlin

Keine neuen Straßen durch unseren Wald – TVO verhindern!

Sonntag, 25.04.2021

12.00 Uhr: Fahrraddemonstration ab S- und U-Bahnhof Wuhletal

13.00 Uhr: Demonstration ab S-Bahnhof Spindlersfeld

14.00 Uhr: Aktion „Rettet die Bäume in der Wuhlheide“ (Waldstück An der Wuhlheide/Spindlersfelder Straße)

Abschlusskundgebung: Vor dem FEZ Berlin (Str. zum FEZ 2, 12459 Berlin)

In der Wuhlheide sollen viele tausend Bäume abgeholzt und fast 15 Hektar Wald vernichtet werden. Sie sind der Tangentialverbindung Ost (TVO) im Weg, einer veralteten und klimaschädlichen Verkehrsplanung aus den 1960er Jahren. Eines der wichtigsten städtischen Wald- und Naherholungsgebiete Berlins würde dadurch zerschnitten und großflächig zerstört. 

Die Pläne für die TVO sind Teil einer autogerechten Stadt. Aber mehr Straßen ziehen mehr Verkehr an – und mehr Kfz-Verkehr verhindert klimagerechte und ökologische Alternativen. 

Weltweit beginnen Städte und Kommunen, sich der Klimakrise entgegenzustellen. Auch in Berlin wurde der Klimanotstand ausgerufen: Der Berliner Senat fordert eine ökologische Verkehrswende und eine Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs. Aber Reden allein hilft nicht, es müssen Taten folgen! 

Der Bau der TVO ist mit einer klimagerechten Verkehrspolitik nicht vereinbar. Eine ökologische Verkehrswende braucht keine neuen Straßen, sondern eine flächendeckende Förderung des Umweltverbunds (ÖPNV- Fuß- und Radverkehr).

Den ohnehin geschwächten Wald dem Straßenbau zu opfern, ist wie Öl ins Feuer der Klimakrise zu gießen. Wir brauchen eine mutige Politik, die falsche Entscheidungen revidiert: Schluss mit der Planung aus dem letzten Jahrhundert – hin zu einer menschen- und klimagerechten Stadtentwicklung. Wir haben nur diese eine Erde!

Gemeinsam fordern wir:

  • Kein Weiterbau der Tangentialverbindung Ost und der A100
  • Sofortige Umwandlung von Straßen in sichere Fuß- und Fahrradinfrastruktur, auch mit Hilfe von Übergangslösungen
  • Keine weitere Versiegelung von Flächen und keine Natur- und Waldzerstörung für den Bau von Straßen
  • Finanzierung eines attraktiven und flächendeckenden öffentlichen Personennahverkehrs.

Wir lassen uns die Zukunft nicht verbauen!
Deshalb gehen wir auf die Straße!
Wir demonstrieren zu Fuß und mit dem Fahrrad für ein modernes und lebenswertes Berlin!

Aktionsbündnis A 100 stoppen, Attac Berlin, autofrei leben!, Bergwaldprojekt e.V., Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz, Berlin for Future, Berliner Wassertisch, BI Wuhletal, Bündnis Stadtnatur in Kreuzberg 61, BUND Berlin, BUNDjugend Berlin, Changing Cities, FIAN Berlin, FRE!LAUF DIY Bike-Camp, Fridays For Future Treptow-Köpenick, FUSS e.V. Berlin, Greenpeace Berlin, Grüne Jugend Ost, Grüne Liga Berlin, Grünen Radler Berlin, Grünzüge für Berlin, NABU Berlin, NABU Bezirksgruppe Treptow-Köpenick, NaturFreunde Berlin, Netzwerk fahrradfreundliches Marzahn-Hellersdorf, Parents for Future Berlin, PowerShift, Robin Wood Berlin

Klage wegen Auswirkung von Grundwasserförderung auf Berliner Moore

Die Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz e. V. hat am Montag, den 22.03.2021, Klage beim Verwaltungsgericht Berlin eingelegt. Die Klage ist gerichtet auf den Schutz der Berliner Moore in den FFH-Gebieten „Spandauer Forst“, „Müggelspree-Müggelsee“ und „Grunewald.“

Insbesondere geht es hier um einen Verstoß gegen geltendes FFH-Recht durch den Betrieb der Berliner Wasserwerke Spandau, Friedrichshagen, Tiefwerder und Beelitzhof und Auswirkungen auf die Moore in den oben genannten FFH-Gebieten.

Eine Zusammenfassung des Klagebegehrens können Sie hier herunter laden.